Das Recker Kino „SAXLINGA“ 

 

Wenn man heute junge Leute nach dem alten Kino von Recke fragt, erntet man nur Achselzucken. Wer weiß schon von ihnen, dass es in unserem Ort einst ein Lichtspieltheater gab. Nicht einmal 10 Jahre nach dem 2. Weltkrieg wollten die Recker ihr eigenes Kino haben, in dem sie die neuesten Filme der Nachkriegszeit sehen konnten. Denn das „1. Deutsche Fernsehen“, das damals noch in den Startlöchern stand, schauten in Recke nur sehr wenige Leute. Die Fußballweltmeisterschaft von 1954 konnte daher auch nur eine Handvoll Recker Fußballfans zu jener Zeit miterleben.

 

Das alte Recker Kino „Saxlinga“ wurde in den 90iger Jahren

zu einer Spielothek umgebaut und wird bis heute genutzt.

 

Viele ältere Menschen in Recke erinnern sich noch sehr gut an ihr altes Kino. Nachdem der Unternehmer Otto Keßling 1954 ein neues „Filmtheater“ planen ließ, musste auch ein passender Name dafür gefunden werden. Nach einigem Hin und Her wurde der Vorschlag von Hubert Büscher angenommen. Das Kino bekam den Namen „Saxlinga“. Mit dem Bau des Kinos an der Recker Aa wurde schließlich 1955 begonnen. Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1956. Viele Gäste nahmen an der feierlichen Eröffnung teil. Annelore Niggemann (geb. Brüggemann) musste damals als junges Mädchen ein Gedicht zur Feier des Tages aufsagen, und erinnert sich noch sehr gut an den Text:

 

              Nun öffnen sich uns die Tore der Welt, eine Welt zu prüfen und zu schauen.

              Was flimmernd das Auge gefesselt hält, es möge erheitern, erbauen.

              Den Alten zur Ehr´, den Jungen zum Rat, ein Führer im Strudel des Lebens.

              Es wachse daraus die redliche Tat, das sei das Ziel deines Strebens.

              „Saxlinga“ seist du genannt, bring Freude und Leben in Stadt und Land.

 

Eingeprägt habe sich das Gedicht bei ihr deshalb, weiß Annelore Niggemann zu berichten, weil sie plötzlich im Vortrag stecken geblieben sei und nicht weiter wusste. Sie habe einen fatalen Blackout gehabt und fügt schmunzelnd an: „Das bleibt haften“. Sie erinnert sich auch an den ersten Spielfilm im Recker Kino, der gleich nach der Feierstunde gezeigt wurde. Es soll der 95 minütige Heimatfilm „Kaiserwalzer“, mit Maria Holst und Rudolf Prack in den Hauptrollen gewesen sein.

 

   

Der ursprüngliche Entwurf des Recker Kinos aus dem Jahre 1954.

 

Der Grundriss des Gebäudes zeigt, dass es zu damaliger Zeit kein kleines Lichtspieltheater war. Rund 350 Leute fanden Platz im Zuschauerraum.

 

„Nahezu wöchentlich kam nun ein neuer Film ins Kino und die ersten Fotos zu den neuen `Streifen´ hingen draußen in den Schaukästen“, erinnert sich Walter Alkemeyer. Er war der letzte Filmvorführer im Saxlinga und erzählt weiter: „Vor den Schaukästen standen die neugieren Leute und holten sich Appetit auf die Schnulzen der sechziger und siebziger Jahre“. Ein ausverkauftes Haus war garantiert, als der Film „Vom Winde verweht“ gezeigt wurde. „Dann hatten unsere Kassiererinnen und Platzanweiserinnen, wie Berta Hoppe, Liesel Hoge, Frau Peterson und Frau Büscher viel zu tun“, schildert Alkemeyer. Lange Schlangen an dem Kassenhäuschen, das gleich links am Eingang war, bildeten sich auch, als die ersten harmlosen Sexfilme nach Recke kamen. Was damals für helle Aufregung sorgte, sieht man heute nahezu tagtäglich in den Nachmittagsprogrammen gewisser Sender.

 

 

Das Foto aus dem Jahr 2012 zeigt das alte Kino in dem heute eine Spielothek untergebracht ist.

 

Doch die Blütezeit der meisten Lichtspieltheater ging in den achtziger Jahren zu Ende. Viele kleinere Kinos verschwanden bundesweit aus den Dörfern und Städten. Das Fernsehen hielt immer mehr Einzug in den Wohnzimmern der Leute und die Kinogänger blieben somit aus. Daher wurde auch das Kino in Recke Opfer dieser neuen Zeit und so war es unvermeidlich, dass nach nicht einmal 30 Jahren, der letzte 38mm-Film durch den Projektor lief.

 

 

Walter Alkemeyer war der letzte Filmvorführer im Recker Kino.

 

F. Büscher

 

 

Heimatverein Recke e.V. | Halverder Straße 21, 49509 Recke