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Der letzte Braunbär

in der Steinbecker "Bärenschlucht"

 

(Text u. Fotos: Felix Büscher)

 

 

 

 

Wenn man so durch unsere Wälder geht, mag man gar nicht glauben, dass es im Mittelalter nicht nur hier, sondern europaweit noch Bären gab. Der Braunbär war damals auf dem gesamten europäischen Festland und sogar auf den Britischen Inseln zu Hause.

 

Durch die Beweidung der Wälder und die zunehmenden Übergriffe der Raubtiere auf die Haustiere, hatte der Bär einen schweren Stand. Sein natürlicher Lebensraum wurde immer kleiner. Aufgrund massiver Bejagung gilt „Meister Petz“ in Deutschland schließlich seit dem 18. Jahrhundert als ausgerottet. Wenngleich Wölfe und Luchse in einigen Teilen des Landes wieder durch die Wälder streifen und somit auf dem Vormarsch sind, wird sich der Braunbär hier wahrscheinlich nicht wieder ansiedeln.

 

In mündlichen Überlieferungen aus dem Dorf Steinbeck, wird von dem letzten Bären in dieser Gegend nahe der Gemeinde Recke berichtet. Der Lehrer Josef Große-Rechtien hat das vor vielen Jahrzehnten in einem reich geschmückten Aufsatz und einem Gedicht festgehalten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat sich das dort Niedergeschriebene wohl nicht wörtlich so abgespielt. Aber sehr Vieles spricht dafür, dass der letzte Bär im nördlichen Münsterland hier auf mysteriöse Weise erlegt worden ist.

 

Seit dieser Zeit hat ein nettes kleines Tal, eingerahmt von den Höhen des Bombergs, einem kleinen Höhenzug nördlich des Schafberges, den Namen „Bärenschlucht“ erhalten. Durch das Tal fließt auch heute noch der winzige Moorbach, der sich früher in den Mühlenteich ergoss. Ganz in der Nähe stand und steht der Bauernhof Vorberg, der Ausgangspunkt dieser Erzählung.

 

Es war der Knecht Hinnerk, der sich sehr spät in der Nacht auf dem Heimweg zum Bauernhof Vorberg machte und plötzlich ein eigenartiges Heulen vernahm. Er erschrak und hielt inne. Es war nicht etwa ein Kind oder das Vieh was so einen Laut von sich gab. Er lauschte weiter und war sich schließlich sicher, dass es ein Bär war. Schon seit einiger Zeit erzählte man sich schaurige Geschichten. So hatte der Braunbär das Vieh der Bauern Schürmann und Voß angegriffen. Sogar in einen Schafstall soll er eingedrungen sein, um ein Lamm zu fressen und bei Hövelmeier hat er die Bienenkörbe geplündert. Doch die Hofhunde hätten ihn mit ihrem lauten Gebell schließlich vertrieben.

 

Noch war Hinnerk nicht zu Hause und ihm wurde angst und bange, denn das Heulen und Stöhnen wurde immer eindringlicher. So rannte er so schnell er konnte zum Bauernhof. Er weckte den Bauern: „Bur, stoand äs gawwe up, mi dücht, de Bär is in de Schlucht!“ Beide machten sich mit dicken Eichenküppeln bewaffnet mutig auf den Weg zur Schlucht. Sie waren gerade einmal wenige Hundert Meter gegangen, als sie die Silhouette des großen Raubtieres im ersten schwachen Licht des Tages erblickten. Es lag am Ufer des Moorbaches.

 

 

 

 

Der Bär hatte auf seinem nächtlichen Streifzug Rehe entdeckt und sich wohl auf ein junges Reh gestürzt. Das Leittier, ein kräftiger Rehbock, muss dann sofort wütend auf den Bären zugerannt sein und ihm die spitzen Hörner tief in den Bauch gebohrt haben. Da lag er nun der blutende Braunbär und johlte vor Schmerzen. So fanden ihn Hinnerk und der Bauer Vorberg. Mutig trat der Bauer auf den Bären zu. Er versetzte dem schwer verletzten Bären mehrere Schläge auf den Kopf, bis er schließlich keinen Ton mehr von sich gab und tot war.

 

 

 

Gemeinsam schleppten sie das große Raubtier zu einer knorrigen Eiche, die am Rande des Tales wuchs. Dort angekommen zogen sie dann das Tier im Morgengrauen an den Hinterbeinen am Baum hoch. Aus den Ortsteilen Steinbeck und Obersteinbeck trafen sich danach viele Leute um den erschlagenen Bären zu sehen. Sie jubelten und waren froh, dass nun der Bärenschreck vorbei war.

 

Die „Bäreneiche“ stand übrigens noch viele Jahrzehnte im Tal. Der alte, ortsansässige Heinrich Wifermann soll bereits vor dem ersten Weltkrieg sehr oft vom „Bärenschreck“ und der „Bäreneiche“ berichtet haben. Das Tal heißt übrigens bis heute „Bärenschlucht“!

 

Wann sich das alles genau abgespielt hat, ist leider nicht überliefert. Man kann aber davon ausgehen, dass es ein paar Hundert Jahre her ist. Denn nachweislich wurde der letzte Bär im Münsterland im Jahr 1446 in Albersloh bei Münster erlegt. Im 16. Jahrhundert war der Braunbär bereits in ganz Westfalen und im Raum Hannover verschwunden und ausgerottet.

 

 

 

 

 

Die hier gezeigten Fotos sind Aufnahmen von wildlebenden, europäischen Braunbären,

die in der einsamen Wildnis an der finnisch-russischen Grenze gemacht wurden.

 

Heimatverein Recke e.V. | Halverder Straße 21, 49509 Recke