Der Elch war einst auch hier zu Hause

 Text u. Fotos:

Felix Büscher

 

Heutzutage fahren wir nach Schweden und Norwegen um Elche zu beobachten und lassen uns von den langbeinigen Hirschen faszinieren. Wir bewundern die größte Hirschart auf dem Planeten und sind entzückt, wenn uns in den skandinavischen Sümpfen und Wäldern dieses Urviech mit seinem Kinnbart über den Weg läuft.

Dabei ist es erst wenige Jahrhunderte her, dass auch hier bei uns der Elch vertreten war. Im späten Mittelalter sollen noch einige wenige Elche vom Emsland bis zur Elbe gelebt haben, bevor sie durch starke Bejagung hierzulande gänzlich verschwanden und ausgerottet wurden. Im 11. Jahrhundert, zur Zeit von Kaiser Konrad II., war der Elch übrigens noch bis zum Niederrhein zahlreich vertreten. Viele Elche lebten seinerzeit in unseren Sumpf- und Moorgebieten bis nach Holland hinein. Die letzten Tiere wurden angeblich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern noch vor dem 2. Weltkrieg gesehen. Seit einigen Jahren wandern aus Polen wieder Elche nach Deutschland ein, weil die Jagd auf Elche in Polen verboten ist und sich daher die Population dort wieder erholt hat. Selbst in Bayern berichtet man von Elchsichtungen. Einige der sehr scheuen Tiere wurden in Brandenburg beobachtet und sogar mit einem GPS-Sender ausgestattet. So kann man feststellen, wie sich die Tiere verhalten und wo sie sich aufhalten.

 

 

Elche haben ein ziemlich großes Streifgebiet in dem sie nach frischem Grünzeug suchen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Gras, Laub, frischen Knospen und sogar Wasserpflanzen. Selbst Flechten und Baumrinde, sowie Pilze, Beeren und Kraut verschmähen sie nicht. Der 3 Meter lange europäische Elch, mit einer halben Tonne Körpergewicht, hat eine Schulterhöhe von ca. 2 bis 2,30m. Das markante mächtige Geweih dieser Elchbullen, das im Frühjahr abgeworfen wird, kann bis zu 1,35 Meter breit und rund 20 Kilogramm schwer werden. In den Weiten der russischen Taiga können diese Tiere schon eine Widerristhöhe von knapp 2 Metern erlangen. Diese stattlichen Tiere wiegen dann ca. 800 Kilogramm. In freier Wildbahn erreichen Elche ein Alter von 10-15 Jahren, während sie in Gefangenschaft fast doppelt so alt werden können. Zu den natürlichen Feinden zählen der Wolf und der Bär. Große, ausgewachsene Elche brauchen einen Angriff allerdings nicht mehr befürchten, denn sie sind äußerst wehrhaft.

 

 

Der Elch ist auf der Erde die größte lebende Hirschart. Hier in Europa ist er in Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, dem Baltikum und Polen zu Hause. Es gibt 8 Elchunterarten weltweit, die alle auf der nördlichen Erdhalbkugel leben. Die größten Elche kommen in Nordamerika vor. Ihre Beine sind mit 1,20 Meter Länge noch etwas länger als die, der europäischen Elche. Das imposante Geweih der „amerikanischen“ Elche wird über 2 Meter breit. Neben dem Kinnbart findet man bei Elchen noch eine Kuriosität: Die Vorderhufe, die etwas größer als die Hinterhufe sind, besitzen eine feine Haut zwischen den beiden Klauen. Sie dient dazu, dass der gespreizte Huf des Paarhufers nicht so schnell in den Schnee oder in den morastigen Boden einsinken kann.

Der „urzeitliche König der Wälder“ übt besonders – aber nicht nur - auf uns Deutsche eine gewisse Faszination aus. So kommt es, dass beispielsweise Schwedenurlauber begeistert über die eine oder andere Elchsichtung berichten. Elche sind groß, mystisch aber ebenso scheu und unergründlich. Und ja, es stimmt auch, dass der Elch majestätisch aber geleichzeitig auch etwas unbeholfen daherkommt. Denn „Alces alces“, so sein lateinscher Name, findet sich schon mal in einem Pool am Stadtrand wieder, oder läuft durch Einkaufsläden in Schweden. Bleibt noch zu erwähnen, dass es oben in den skandinavischen Ländern häufig zu sehr schweren Autounfällen mit Elchen kommt. Dies ist dann die Kehrseite der Medaille.

Die Forscher sind sich übrigens einig, dass Elche in einigen Teilen Deutschlands durchaus wieder heimisch werden könnten. Prädestiniert sind zum Beispiel dünnbesiedelte Gebiete in Brandenburg oder im Bayrischen Wald. Der Elch wird wie der Wolf auf Dauer wieder in Deutschland ankommen. Da sind sich die Experten ganz sicher. Die Chance, den großen Hirsch auch wieder einmal im Münsterland oder im Emsland anzutreffen, dürfte wohl eher aussichtslos sein.


Alle Wildlifefotos entstanden in der skandinavischen Wildnis

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