Heimatverein Recke e.V.

Altes verwalten – Neues gestalten

Recker Heimatverein ist stolz auf die Forschungen von Louis Stüve

Recker Heimatverein ist stolz auf die Forschungen von Louis Stüve

Der Heimatverein Recke ist stolz darauf, dass die Forschungen von Louis Stüve zur Dokumentation der Tiötten-Sprache gewürdigt werden. Nach dem Beitrag der IVZ vom 09.04.2024 ist die Tiöttensprache als „Immaterielles Kulturerbe“ anerkannt.
Der in Münster wirkende Sprachwissenschaftler Klaus Siewert, Vorsitzender und Gründer der Internationalen Gesellschaft für Sondersprachforschung (IGS) hat auf seine Initiative erreicht, dass historische Geheimsprachen in NRW als Immaterielles Kulturgut anerkannt wurden, darunter die Münstersche Masematte, das Humpisch der Tiötten im Tecklenburger Land. Beide Sondersprachen sind bekannt als “Rotwelsch-Dialekte“. Zu beiden Sondersprachen hat Recke eine bedeutende geschichtliche Verbindung.
Forschung von Louis Stüve und Veröffentlichungen dazu.

Louis Stüve 1925

Louis Stüve 1925

Louis Stüve (1858-1935), dessen Portrait neben Franz Brenninkmeyer (1890-1972) in der Bildergalerie der Upkammer bei Telsemeyer in Mettingen hängt, hat zu seinen Lebzeiten die Töddensprache dokumentiert. Gelegenheit zur Erforschung hatte er mit Beginn seiner Ausbildung als Textilkaufmann bei der Firma Stüve Ellinghaus & Hofhues in Lübeck. Dort waren bereits seine Brüder Heinrich und Gerhard als Mitinhaber tätig. Die Biographie und das Lebenswerk von Louis Stüve, der angesichts der damaligen Aussprach die Schreibweise „Tiötte“ bevorzugte, hat 2007 sein Neffe Recker Norbert Stüve ausführlich dokumentiert. Die Arbeit von Louis Stüve fand unter Sprachforschern und in den Tiöttenfamilien große Anerkennung.
Hierzu ein Rückblick: Prof. Kluge aus Freiburg schrieb am 11. September 1900 an den Recker Louis Stüve: „Sehr geehrter Herr! Als Professor der deutschen Sprache bin ich mit deutschen Berufssprachen beschäftigt und sammle auch in Spracharten der Kaufleute und Händler. Ich war zu dem Zweck auch in Mettingen, um die Tjöttensprache aufzuzeichnen und habe mir Aufzeichnungen gemacht. Aber nun teilt mir eben einer der Mettinger Herren mit, dass Sie etwas in dieser Sprache geschrieben haben oder über diese Sprache. So wage ich an Sie die ganz ergebene Bitte, mir den genauen Titel und den Verlagsort des Büchleins anzugeben, damit ich es mir erwerben kann. Für gütige Auskunft im voraus dankend empfiehlt sich hochachtungsvoll ergebenst Friedrich Kluge.“ Louis Stüve erwidert: „Es freut mich, Ihnen mit dem gewünschten Wörterverzeichnis dienen zu können. Meines Wissens liegt über diese Sprache nichts Gedrucktes vor – der Zweck einer Geheimsprache würde ja dadurch verfehlt sein. Vielleicht habe ich in Mettingen erzählt, dass mein Bruder ein Wörterverzeichnis dieser Sprache besitze. Ich fand dasselbe gelegentlich in einer alten deutschen Grammatik hinten eingeheftet. Es ist etwa im Jahre 1866 niedergeschrieben. Später kam es zu einem regen Austausch zwischen Louis Stüve und Prof. Kluge.
Der Sprachwissenschaftlicher Klaus Siewert hat eine Anzahl von Büchern zur Masematte und zur Töddensprache verfasst. 2010 stellte er sein Werk „Die geheime Sprache der Tiötten“ vor. Bereits vor Jahren konnte ich Klaus Siewert in einem persönlichen Gespräch in Münster als profunden Kenner der Sondersprachen der Tödden und der Masematte kennengelernen.
2007 habe ich im Jahrbuch des Kreises Steinfurt die Forschung von Louis Stüve vorgestellt „Die Geheimsprache der Tödden und ihre Dokumentation durch Louis Stüve“. 2013 folgt mein weiterer Beitrag dazu in der Schriftenreihe des Kreisheimatbundes Steinfurt „Vertrautes und Neues“: Sprachforscher Louis Stüve gründet vor 90 Jahren den Heimatverein Recke. Auch die Münstersche Sondersprache Masematte hat im hat eine Beziehung zu Recke. Hierauf bin ich 2024 eingegangen im Jahrbuch des Kreises Steinfurt, das in diesem Jahr als Schwerpunkt das ‚Fahrradfahren im Kreis Steinfurt‘ gewählt hat. Der Beitrag „Wenn man mit der Leeze zur Kaschemme juckelt“. Um 1900 wurden beim Kanalausbau in Münster und Recke Sondersprachen gesprochen.

Die Pressemitteilung der IVZ vom 10.04.2024 führt aus: „Mit der Bewilligung des Antrages verbindet sich nun das Recht des Antragstellers, das Logo „Immaterielles Kulturerbe/Inventar NRW“ an die um die Pflege und Fortführung des Kulturellen Erbes bemühten Trägergruppen zu verleihen.“
Als Vorsitzender des Recker Heimatvereins bekräftigt Florenz Beckemeier: Wir sind sehr stolz auf die Arbeit von Louis Stüve!“ Der Heimatverein habe sich zur Kernaufgabe gesetzt, das historische Erbe des Recker Bürgers Louis Stüve als bedeutende Person der Töddengeschichte zu wahren.

 

 

Gielsok
Author: Gielsok